„Es geht weiter"

Nicole Röhlen sitzen queer

Das Wasser steigt und steigt. Menschen werden evakuiert. Die geteilten Fotos bei Facebook werden immer bedrohlicher: Das Wasser steht nur noch zehn Zentimeter unter der Fensterbank – trotz Hochparterre.

So erlebte die Künstlerin Nicole Röhlen, das Hochwasser im Juli in Kornelimünster. Sie ist wie viele Künstler*innen der Aachener Kunstroute von der diesjährigen Flut betroffen, ihr neues Atelier in Kornelimünster wurde vom Hochwasser schwer beschädigt.

Eine Auswahl ihrer erhaltenen Kunstwerke könnt ihr bei der Station 11 Halle 1 besichtigen!

„Nach zwei Tagen, als die Flut abgeflossen war, durfte ich endlich in das Atelier rein, konnte die Vordertür aber nicht öffnen“, so die vom Hochwasser betroffene Künstlerin Nicole Röhlen. Die Holzdielen des Bodens waren vom Wasser aufgequollen und versperrten so den Weg ins Atelier. Erst durch die Hintertür konnte die vom Hochwasser betroffene Künstlerin in ihr Atelier gelangen. „Das Wasser war 20 cm in den Raum eingedrungen, trotz Hochparterre. Der Boden war aufgequollen, deshalb ging die Tür auch nicht auf. Viele meiner Bilder, die auf dem Boden standen sind zerstört worden, manche konnten gerettet werden. Doch die meisten musste ich traurigerweise entsorgen. Von Nachbarn höre ich immer mehr, dass der Schlamm mit Heizöl verunreinigt war und die Böden und Wände zum Teil rausgeschlagen werden müssen.“

Das Retten der Werke: ein Wettlauf gegen die Zeit

Für die Künstlerin begann ein Wettlauf gegen die Zeit: je länger die Werke in den Räumen stehen, desto höher ist die Gefahr, dass es schimmelt und weitere Werke weggeworfen werden müssen. Wann das Atelier von Röhlen wieder benutzbar sein wird ist nicht bekannt. Ein doppelter Rückschlag für die Künstlerin, die aufgrund von Corona ihr Atelier in der Innenstadt nicht mehr tragen konnte und deswegen erst im April dieses Jahres nach Kornelimünster zog. „In meinem Atelier biete ich auch Kurse für Kinder und Erwachsene an. Es fing gerade an zu laufen, und die Kurse waren gut gebucht. Jetzt kann ich sie nicht mehr ausführen, da ich aktuell keine Räumlichkeiten dafür habe.“ Ein zusätzlicher finanzieller Verlust für die Künstlerin, die in der Flut Kunstwerke im Verkaufswert von 15.000 Euro verloren hat, Farbe und Material kommen noch hinzu. „Es war eigentlich die Ausstellung ‚The little king’s life in Corona’ geplant gewesen. Meine Kunstwerke für die Ausstellung wurden aber im Hochwasser zum größten Teil zerstört, deswegen musste ich die Ausstellung absagen. Andere Werke finde ich einfach nicht mehr, sie sind wie vom Erdbodenverschluckt“ Für die Ausstellung „The little king’s life in Corona“ ist kein Ersatz geplant.

Nicole Röhlen stehen queer

Der Verlust einzelner Kunstwerke schmerzt besonders

Der Verlust eines Kunstwerkes schmerzt Röhlen besonders. „Das hier ist auch ein Bild, dass ich wegschmeißen musste und das gibt es überhaupt nicht mehr im Original“. Die Künstlerin zeigt auf einen kleinen Druck „Hope 2“. Abgebildet ist ein Mädchen mit zwei langen braunen Zöpfen. „Gerade bei diesem Bild fand ich das Original sehr gut und dass es schön geworden ist. Ich hätte das Bild gerne weiter gezeigt.“ Dass sie zumindest den Druck zeigen kann, verdankt sie der großen Hilfsbereitschaft, die sie erfahren konnte. „Das Aufräumen in Kornlimünster hätte nie funktioniert ohne die vielen freiwilligen Helfern. Ich war beeindruckt viele Menschen geholfen haben.“ So erfuhr Nicole Röhlen erst am Vormittag, dass sie zum Nachmittag das Atelier geräumt haben musste für die Handwerker. „Viele Helfer kamen und haben mir geholfen, meine Sachen in Kisten zu packen. Mein Vermieter hatte noch eine frisch renovierte Wohnung ohne Fußboden, mit kahlen Wänden und nur mit einem funktionierendem Badezimmer, dass er mir zur Verfügung gestellt hat.“ Und trotzdem schmerzt der Verlust ihrer Kunstwerke und des neuen Ateliers sehr. Ihre Gefühle verarbeitet die Künstlerin in ihren neuen Werken, auf Fotografien von den Flut malt sie. Eigentlich hatte Röhlen geplant, mit ihrem neuen Atelier an unserer Aachener Kunstroute teilzunehmen, doch daran war nicht mehr zu denken. Das sie diese Werke zur Aachener Kunstroute zeigen kann verdankt sie einem überraschenden Anrufen. „Es klingelt auf einmal mein Telefon und mir wurde angeboten, meine Werke in der Halle 1 auszustellen.“ Es ist diese Hilfsbereitschaft, die der Künstlerin die Kraft geben, weiter zu machen. „Ich will nicht nur Corona und Hochwasser machen. Ich möchte ein Thema finden mit dem ich zur Ruhe kommen kann.“ Welches Thema es sein wird, weiß sie noch nicht genau. „Ich möchte mehr Lebensfreude und Hoffnung zeigen und, dass man aus dem Düsteren wieder rauskommt. Es geht weiter“

Die Kunstwerke von Nicole Röhlen und vielen weiten Arbeiten von anderen Künstler*innen könnt ihr bei Aachener Kunstroute bei Station 11 Halle 1 Samstag von 11-22 Uhr und Sonntag von 11-18 Uhr sehen. Wir freuen uns auf euch!

hak

 © Hannah Kleiner